Nitrit bei Garnelen


Nach der Neueinrichtung eines Aquariums muss das Wasser darin erst einmal drei oder vier Wochen einfahren, damit ein erstes biologisches Gleichgewicht entstehen kann. Erst nach dieser Zeit haben sich Ammonium und Nitrit abbauende Bakterien vermehrt, die dafür sorgen, dass sich die Abfall- und Ausscheidungsstoffe der wasserbewohnenden Tiere zu dem weniger giftigen Nitrat entwickeln. Es werden also Schadstoffe in unbedenkliche Stoffe umgewandelt. Wird das Aquarium zu schnell besetzt oder ist dies noch nicht richtig eingelaufen, kann es bei zu frühem Besatz oder zu viel Fütterung zu erhöhten Nitritwerten kommen. Nitrit sollte, gerade in der Einlaufphase, mit demTröpfchentest gut überwacht werden. Nitrit ist eine giftige Stickstoffverbindung, also ein Zwischenprodukt, das beim Abbau von Ammonium und Ammoniak entsteht und kann bei hohem Gehalt (mehr als 0,5 mg/l) tödlich für Crustaceen wirken. Während es bei Zierfischen auf die Randbedingungen ankommt ob, wann, in welcher Menge und wie schnell Nitrit wirkt, reagieren Garnelen schon bei Konzentrationen ab 1 mg/l wesentlich empfindlicher auf Nitrit, was sehr schnell zu Massensterben führen kann. Nitrit darf deshalb in Ihrem Aquarienwasser nicht nachweisbar sein.

Blutzelle einer Garnele. Blutzellen mit blau gefärbter Granula.
Blutzelle einer Garnele. Blutzellen mit blau gefärbter Granula.

Wirbeltiere verwenden zum Sauerstofftransport Hämoglobin, Wirbellose dagegen Hämocyanin. Das Blut von Wirbellosen ist – im Gegensatz zu dem der Wirbeltiere – bei Sauerstoffreichtum hellblau und bei Sauerstoffarmut fast farblos. Nitrit blockiert den Sauerstofftransport im Blut von Wirbeltieren, was nach längerer Zeit zum Erstickungstod führt. Bei Crustaceen sind ähnliche Wirkungen zu erwarten, denn Hämocyanin, der Blutfarbstoff der meisten Wirbellosen (es gibt auchWirbellose wie Tubifex, Regenwürmer oder Rote Mückenlarven, die Hämoglobin aufweisen), ist strukturell dem Hämoglobin der Wirbeltiere sehr ähnlich. Hämocyacin basiert allerdings auf Kupfer und erscheint nicht rot, sondern bläulich. Im Gegensatz zu Hämoglobin, das je nach Tiergruppe in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) oder frei im Blut vorliegen kann, liegt Hämocyanin bei Wirbellosen immer frei im Blut vor. Ebenso wie Hämoglobin kann Hämocyanin auch Nitrit binden. Nitrit hat jedoch zu Kupfer eine höhere Bindungsaffinität. Nitrit ist also vom Prinzip her für rotblütige Tiere weniger giftig als für solche, deren Blut Kupfer enthält, da es vom Eisen weniger gut, aber dennoch gebunden wird.

Tritt ein erhöhter Nitritwert in bereits länger laufenden Aquarien auf, so ist dies ein Signal für erhöhte Aufmerksamkeit und genaues Beobachten der Tiere sowie die Suche nach der Ursache. Ursachen können zum Beispiel zu schnell besetzte, frisch eingelaufene Aquarien oder ein Wasserwechsel und gleichzeitiger Filterwechsel bei Reinigungsarbeiten sein, was zur Folge hat, dass nicht mehr genug Bakterien vorhanden sind, die das Gleichgewicht im Aquarium regulieren und dadurch nicht in der Lage sind, die Schadstoffe im Wasser abzubauen. Bei Garnelen zeigt sich eine Nitritvergiftung zum Beispiel durch folgende Vergiftungserscheinungen: Anfangs sind die Garnelen träge, sie sitzen lustlos am Bodengrund und fressen kaum noch. Weiterhin verfärbt sich bei Vergiftungen bei durchsichtigen Arten wie der Amano-Garnele die Muskulatur des Abdomens und zeigt eine orange-milchige (siehe Bild o. l.), manchmal weißliche Verfärbung, meist bei mehreren Garnelen gleichzeitig.

Eine schwarze Verfärbung der Kiemen kann Anzeiche für schlechte Wasserwerte sein.
Eine schwarze Verfärbung der Kiemen kann Anzeiche für schlechte Wasserwerte sein.

Weiterhin führt Nitrit zur Melanisierung der Kiemen (siehe Bild links) und so in der Folge zu Sauerstoffmangel und zum Tod der betroffenen Tiere durch Ersticken. Sind Garnelen auch nur für kurze Zeit zu hohen Nitritwerten ausgesetzt, so kann dies noch Tage nach einer Nitritvergiftung zu hohen Verlusten führen!

 

Auch die Aussage, dass bei einem Nitritanstieg das Ammoniak für das Sterben der Garnelen verantwortlich sei und nicht das Nitrit selbst, kann so nicht bestätigt werden und erwies sich als falsch. Denn bei einem pH-Wert unter 7,0 wird Ammoniak in das ungiftige Ammonium umgewandelt. So können also Garnelen, die bei einem pH-Wert von zum Beispiel 6,5 gehalten werden, bei einem Nitritgehalt im Wasser keine Ammoniakvergiftung bekommen, wenn dieser erst ab einem pH-Wert von 7,0 in tötlichen Konzentrationen entsteht!